The Ura-Harajuku lanes
Diese Hintergassen haben die japanische Streetwear erfunden — und dann die ganze Welt eingekleidet.
Key facts
- „Ura-Hara“ (裏原宿, „hinter Harajuku“) ist das Raster der Hintergassen, in dem Anfang bis Mitte der 1990er die japanische Streetwear entstand.
- 1993 eröffnete hier der Laden NOWHERE, mitgegründet von Nigo (der A Bathing Ape / BAPE ins Leben rief) und Jun Takahashi (Undercover).
- Hiroshi Fujiwara, der „Pate“ der Szene, förderte und unterstützte die Gründer — eher eine prägende Figur als ein Markeninhaber.
Narration transcript
Schau dir diese Gassen an. Schmal, ein bisschen abgewetzt, gesäumt von kleinen Läden, an denen du glatt vorbeilaufen könntest. Das ist Ura-Hara — wörtlich hinter Harajuku — und diese unscheinbaren Hintergassen haben verändert, wie sich der ganze Planet kleidet.
Anfang der neunziger Jahre richteten sich hier hinten eine Handvoll junger Designer ein, weg von den teuren Hauptstraßen, wo sie die Miete nie hätten zahlen können. Neunzehnhundertdreiundneunzig eröffneten zwei von ihnen — ein Designer, den die Welt später als Nigo kennenlernen sollte, und sein Freund Jun Takahashi — einen winzigen Laden in diesen Gassen. Nigo rief danach das Label A Bathing Ape ins Leben, bekannt als BAPE; Takahashi baute das Label Undercover auf. Von der Seitenlinie aus lenkte sie eine ältere Figur, die die Szene bis heute ihren Paten nennt: Hiroshi Fujiwara — kein Markeninhaber, sondern der Mentor und Förderer, der alle miteinander verband.
Was sie in diesen engen Straßen bewiesen haben, war radikal: dass ein paar Leute mit einer starken Idee genau hier einen Stil erfinden und ihn um die ganze Welt schicken können. Keine zehn Jahre später standen Jugendliche in London, Los Angeles und Seoul Schlange für Kleidung, die man sich in der Gasse ausgedacht hatte, in der du gerade stehst.
Die Läden selbst kommen und gehen — ein Label, das in einem Jahr berühmt ist, zieht im nächsten um oder schließt — such also nicht nach einer bestimmten Tür. Spür lieber den Ort: dieses Gefühl, dass hinter jedem einzelnen dieser Fenster gerade jetzt etwas Neues entstehen könnte.
Geh weiter und halt vor dir nach einem Gebäude Ausschau, das diesen ganzen Do-it-yourself-Geist nach außen gekehrt hat — umhüllt, verblüffend, von leuchtend roten Rohren. Das ist die Design Festa Gallery.